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Spielberichte

Tigers – Heidelberg

Zusammenfassung

  1. Viertel: Das Baden-Württemberg-Duell, das nur mit sehr viel gutem Willen als Derby zu bezeichnen ist, beginnt ohne nennenswerte Verteidigungsbemühungen auf beiden Seiten, wobei Isaiah Crawly zu Viertelbeginn seine Mannschaft mit zehn Punkten in fünf Minuten beinahe alleine im Spiel hält. Im Viertelverlauf schaffen es die Tigers dann offensiv immer wieder, ins Laufen zu kommen, können einige Stops erzielen und führen nach zehn gespielten Minuten mit 26:22.
  2. Viertel: Die Gastgeber starten offenisv schlampig in den Spielabschnitt und geraten nach zwei schnellen Dreiern von Albert „AK 47“ Kuppe – dem ProA-Spieler mit dem für sein Spiel und Äußeres unpassendsten Spitznamen – auf einmal mit sechs Punkten in Rückstand (32:38, 13. Minute). Nach der hierauf folgenden Jansson-Timeout sehen die Tigers zwar weiterhin dem Augentest nach schwach aus, lassen aber nicht abreißen und kommen durch den in der ersten Halbzeit sehr aktiven Timo Lanmüller sogar auf einen Punkt zum 46:47 in der 17. Minute heran. Zum Viertelende hin lassen sich die Defizite in der Verteidigung und beim Rebound aber nicht kaschieren, so dass die Heidelberger Gäste mit eine Führung von 52:59 (!) in die Pause gehen.
  3. Viertel: Entegegen aller Erwartungen starten die Tübinger höchst motiviert und konsequent in die zweite Halbzeit, können in den ersten zwei Minuten des ersten Viertels einen 10:2-Lauf hinlegen und die MLP Academics zur Auszeit zwingen. Heidelberg kann zwar zum 69:73 in der 25. Minute kontern, doch von nun an ist das Spiel ein ausgeglichenes, intensives und sogar hochklassiges. Beide Mannschaften agieren auf Augenhöhe und unsere Janssons können mit einer 83:82-Führung das Viertel beenden und bei ihren Fans Hoffnung auf den Überraschungserfolg wecken.
  4. Viertel: Im Schlussabschnitt kommt es, wie es kommen musste. Es ist Déjà-Vu-Zeit für alle Tigers-Fans angesagt: ihre Mannschaft bricht nach einem vielversprechenden Spiel in der entscheidenden Schlussphase komplett ein, kassiert direkt zu Viertelbeginn einen Heidelberger 12:0-Lauf und erzielt erst nach vier Minuten in Person von Troy Simons ihre ersten Punkte. Zu diesem Zeitpunk ist das Spiel entschieden, der Tübinger Wille gebrochen und beide Teams tun in einem offensiven Schaulaufen ihr bestes, den ProA-Rekord für gemeinsam erzielte Punkte in Regelspielzeit zu brechen, was in einem 100:115-Endergebnis resultiert.

Viewers‘ Guide für den Relive-Genuss

  1. Viertel: Masochismus Rating 3/10. Im Relive können geneigte Zuschauer:innen hier ein recht schnelles Spiel mit (für ProA-Verhältnisse) anständigem Fehlerniveau und gelungenen Offenisvaktionen betrachten.
  2. Viertel: Masochismus-Rating 5,5/10. Zwar dürfen wir im zweiten Viertel einen sehr leckeren Alley-Oop-Dunk von Isaiah Crawley bewundern (bei 8:48 auf der Uhr), ansonsten überzeugen die Tigers optisch aber nicht wirklich, sind offensiv zu fehleranfällig und defensiv zu nachlässig. Licht (61% FG) und Schatten (10 TO) wechseln sich in der ersten Halbzeit und besonders im zweiten Viertel ab.
  3. Viertel: 2/10. Nach einer kooperativen Slapstick-Einlage beider Mannschaften zu Beginn des Spielabschnitts, kann hier der beste und intensivste Basketball des Spiel beobachtet werden. Auch wenn die Partie weiterhin ein High Scoring Game bleibt, treten die Tigers bissig und selbstbewusst auf und lassen auf den Sieg hoffen. Nach diesem versöhnlichen Viertel hätte man guten Gewissens abschalten können und sollen.
  4. Viertel: 9/10. Das Narrativ des letzten Viertels ist Tigers-Fans aus zu vielen vorherigen Spielen bekannt und muss nicht noch einmal tiefer eingebrannt werden, indem man sich diesen Spielabschnitt anschaut. Die Tübinger starten defensiv hilflos und offensiv uninspiriert in das entscheidende Viertel, die Heidelberger Veteranen-Truppe bestraft das eiskalt und all die Hoffnungen, die davor noch aufgekeimt waren sind zerstört. Schade eigentlich.

Woran hat es gelegen?

Der Lauf der Academics zu Beginn des letzten Viertels hat dieses Spiel entschieden. Als es darauf ankam, waren die Tigers trotz der sehr soliden vorhergehenden Performance nicht bereit, sich den Heidelbergern entgegenzustellen. Hierbei würde ich nicht das spielerisches Vermögen, sondern mangelnde mentale Härte von Seiten der Raubkatzen als Grund für den Einbruch anführen. Aus dem bisherigen Saisonverlauf, in dem sich knappe, vermeintlich unnötige Niederlagen aneinanderreihen (siehe z.B. vs. Schwenningen, Leverkusen, Rostock…) hat die Mannschaft offenbar noch nicht die richtigen Schlüsse ziehen können und weiterhin ein eklatantes Problem damit, durchaus gewinnbare Spiele nach Hause zu bringen. Bisher ist genau dieser Ablauf für mich das bestimmende Narrativ der diesjährigen Spielzeit wobei ich darauf hoffe, im weiteren Saisonverlauf eines besseren belehrt zu werden und die Geschichte eines Umschwungs und Mentalitätswandels dokumentieren zu dürfen.

Das Spiel in einem Video

https://www.youtube.com/watch?v=0H6n1aK0ZSo

Heidelberg in diesem Kurzfilm in der Rolle des alten Mannes, der nie wirklich in Gefahr war.

Sadist des Tages

Der begehrteste Spieltagstitel der ProA geht an Shaun Willett, der den Tigers schon vor seinem Teamwechsel als Schwenninger einiges an Leid zugefügt hat und sich mit seiner neuen Mannschaft als erstklassiger Sadist treu geblieben ist. Nicht nur defensiv setzte der Duckface-MVP der Liga (https://www.mlp-academics-heidelberg.de/team/shaun-willett) den Tigers mit seinen schnellen Händen ungemein zu und sammelte alleine fünf Steals und zwei Blocks, darüber hinaus scorte er in der Zone beinahe nach Belieben (24 Punkte bei 9/15 aus dem 2er-Bereich), und demütigte dann, um dem ganzen die Krone aufzusetzen, eine bereits gebrochene Tigers-Mannschaft mit einem sehr sehenswerten Alley-Oop-Dunk 35 Sekunden für Spielende.

Statistik des Tages

115 Punkte erzielten die MLP Academics Heidelberg gegen die Tigers. Hier muss man nicht noch tiefer in die statistische Analyse gehen um zu erkennen, dass man so einfach kein Spiel gewinnen kann.

Lichtblick des Tages

Für mich war der Lichtblick des Tages der beherzte Auftritt des Mirjan Broening. Nachdem er im letzten Spiel überhaupt nicht zum Einsatz gekommen war, durfte der junge Tigers-Guard gegen Heidelberg zehn Minuten aufs Spielfeld, präsentierte sich dabei vor allem defensiv mit zwei Steals sehr engagiert und brachte in einer kritischen Phase des zweiten Viertels wertvolle Energie aufs Parkett. Gerne hätte ich noch mehr Mirjan Broening gegen die Academics gesehen!

Bonus-Stat: ich habe mir die Mühe gemacht und für alle Tigers-Spieler über die Saison hinweg die Steals pro Minute Spielzeit berechnet und in dieser Kategorie führt Broening mit einem Wert von 0,12 weit vor den darauffolgenden Josh Sharkey (0,066) und Troy Simons (0,057). https://www.youtube.com/watch?v=1S2GICrbH7A
(Rechenfehler natürlich vorbehalten).

Schmankerl des Tages

Auf Platz 1 landet der bereits angesprochene Demütigungs-Dunk von Shaun Willet bei ca. 35 Sekunden auf der Uhr im vierten Viertel, der den Dominanzbeweis darstellt, den kein Tigers-Fan mehr sehen wollte, aber einfach ein optischer Leckerbissen ist.

Auf den Plätzen 2 und 3 findet sich wiedereinmal Isaiah Crawley, der zwei durchaus schmackhafte Druckkorbleger ablieferte, einen Alley-Oop im zweiten Viertel bei 8:48 auf der Uhr und einen brachialen Fastbreak-Dunk im dritten Viertel (bei ca. 5:06). Die Mühe, die zwei Dunks zu vergleichen, möchte ich mir nicht machen, aber beide sollten hier Erwähnung finden, da sie aller Voraussicht nach und völlig zu unrecht nicht den Sprung in die höchst undurchsichtig produzierten Sportdeutschland.tv-ProA-Highlights schaffen werden.

Für die Shaqtin‘ A Fool-Enthusiast:innen unter Euch, möchte ich noch die Anfangssequenz des dritten Viertels empfehlen, die mit ihren zwei aufeinanderfolgenden Turnovern plus einem Beinahe-Ballverlust hohen komischen Wert hatte.

Streambewertung

8/10. Es hat sich ordentlich was getan beim Stream der Tigers und das erfreut mich zutiefst! Zum ersten Mal wurde eine „Pregame-Show“ auf Social Media angekündigt, deren ersten zehn Minuten zwar einem Missverständnis mit Sportdeutschland.tv zum Opfer gefallen sind, die dann aber noch stattfand und ein deutliches Upgrade zur bisherigen Berichterstattung darstellt. Hier wurde angemessen kritisch und fachkundig auf Zuschauer:innen-Fragen eingegangen und auf das Spiel eingestimmt.
Dabei fand ich es hier und auch an anderen Stellen im Stream sehr positiv, dass mit Rouven Hänig und Niklas Schüler (herzliche Geburtstagsglückwünsche an dieser Stelle!) beide Kommentatoren selbst Basketball spielen und dementsprechendes Fachwissen mit- und einbringen. Auch wenn hier natürlich immer noch weiter Luft nach oben zur Professionalisierung besteht, sehe ich den Tigers-Stream, was den Kommentar und Fan-Interaktion betrifft, eindeutig auf dem richtigen Weg.
Auch Produktionstechnsich wurden im Vergleich zum letzten Spiel Fortschritte gemacht: endlich stand die versprochene Zeitlupen-Wiederholungstechnik zur Verfügung, die eine absolute Bereichung darstellt. Zwar gab es hier noch die zu erwartenden kleinen Unsauberkeiten, aber im Vergleich zum Paderborner Replay-Management, war der Tigers-Stream heute schon deutlich besser.

Jugendspieler-Watch

Gegen Heidelberg wurden mit Mirjan Broening (10:04) und Timo Lanmüller (25:28) zwei U22-Spieler eingesetzt, die gemeinsam insgesamt ca. 17,8% der möglichen Spielzeit erhielten. Im Vergleich zum letzten Spiel ist das ein kleiner Schritt nach vorne, aber vor allem von Broening hätte ich in diesem Spiel doch gerne noch etwas mehr gesehen (Jekabs Beck habe ich eh schmerzlich vermisst).

Links

Hier die gewohnten Links zu den Spielberichten der beteiligten Teams:

https://tigers-tuebingen.de/im-letzten-vierel-auseinandergebrochen-tigers-verlieren-100115-gegen-heidelberg/

Entweder war ich zu unfähig, die Website der Academics zu navigieren, oder dort findet sich kein Spielbericht.

Und zu den Stats:

https://live.2basketballbundesliga.de/g/107081

Feedback bitte sehr gerne per Mail an kontakt (a t) basketball-masochisten.de oder auf Instagram (@basketball_masochisten.de).

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Spielberichte

Tigers – Ehingen

Zusammenfassung

  1. Viertel: Die Tigers starten offensiv stark in die Partie. Nach einem 8:2-Start der Hausherren fängt sich Ehingen zwar etwas, aber die Tigers bestimmen trotzdem den Spielberlauf. Mit hübschem Offenisvspiel sammeln die Raubkatzen im ersten Viertel bereits neun Assists, halten sich aber gütigerweise beim Defensivrebound zurück, so dass Ehingen den Anschluss behalten kann und am Viertelende ein 30:22-Zwischenstand zu Buche steht.
  2. Viertel: Nachdem schon im ersten Viertel die Partie wegen technischer Probleme mit der Shotclock länger unterbrochen werden musste, kann auch das zweite Viertel erst nach längerer ungewollter Pause beginnen. Aus dem anfangs noch recht ansehnlichen Match entwickelt sich im Verlauf des Spielabschnitts ein munteres Gezocke, das von Ballverlusten auf beiden Seiten (wobei den Tiger immmer wieder peinliche Turnover gegen die Ehinger Presse unterlaufen), und unmotivierter Defensive geprägt ist. Die immer nachlässiger werdenden Tübinger führen zur Halbzeit immerhin noch mit 54:52.
  3. Viertel: Nach der Pause folgt nun der große Einbruch der Tigers, offensiv wird entweder der Ball weggeworfen oder schlechte Würfe aus dem Eins-gegen-Eins genommen, auf der anderen Spielfeldseite dürfen sich die Ehinger fast ungestört austoben. Nach 10 Minuten und neun Turnovern führen die Gäste vor dem Schlussviertel mit 75:88.
  4. Viertel: Zögerliche Comeback-Versuche der Tigers ersticken sich im Schlussabschnitt immer wieder im Keim. Nach geglückten Defensivaktionen weigert sich das Team konsequent, sich im Angriff zu belohnen und auch die von Coach Jansson eingestreute 1-3-1-Zone zeigt nur kurz Wirkung, bis sie von den Ehinger Schützen gnadenlos bestraft wird. Am Ende eines schwachen Auftritts steht eine absolut verdiente 103:113-Niederlage.

Viewers‘ Guide für den Relive-„Genuss“

  1. Viertel: Masochismus-Rating 3/10. Hier ist die Partie noch ansehnlich und vor allem für Tigers-Fans erträglich, der Ball läuft schön durch die Tübinger Reihen und es wird ordentlich gescort. Einzig Freund:innen des gepflegten Defensivrebounds sollten wegschalten, ansonsten kann man sich dieses Viertel durchaus noch anschauen.
  2. Viertel: Masochismus-Rating 6/10. Zwar scheint in diesem Spielabschnitt für die Tigers alles möglich und Ehingen (noch) wie die schlechtere Mannschaft, wirklich schöner Basketball wird ab der Viertelmitte allerdings nicht mehr geboten. Vielmehr erinnert das Geschehen auf dem Spielfeld an ein lockeres Trainingsspiel nach einer anstrengenden Athletikeinheit: es geht munter das Feld hoch und runter, dabei läuft nur in die Defense wer wirklich möchte und verlegte Layups beider Teams wechseln sich mit Ballverlusten ab.
  3. Viertel: Masochismus-Rating 10/10. Vermutlich das schlimmste Tigers-Viertel, das ich diese Saison sehen musste. Nicht anschauen. Trigger-Warnung für peinliche Ballverluste im Spielvortrag und hilfloses Auftreten vorne wie hinten.
  4. Viertel: Masochismus-Rating 8/10. Positiv ist zu nennen, dass die Tübinger zumindest immer wieder den Anschein machen, das Spiel noch gewinnen zu wollen. Negativ ist zu erwähnen, dass sie damit immer kurz Hoffnungsfunken wecken, die direkt darauf von den nun sehr souveränen Ehingern zerschmettert werden.

Woran hat es gelegen?

Für mich als Laien und Outsider wirkte dieses Spiel wie eines, das im Kopf verloren wurde. Vor weniger als einem Monat durften wir ja miterleben, dass die Tigers den nominell deutlich stärkeren Kader haben sollten und in der ersten Halbzeit war ersichtlich, dass auch ohne Valtonen etwas gegen Team Ehingen Urspring zu holen war. Trotzdem wirkte die Mannschaft auf mich teils hilflos, teils unkonzentriert und vor allem nicht so, als ob sie dieses Spiel wirklich gewinnen wollte. Es war schlimm mitanzusehen und ist schwer zu erklären, warum sich dieses Spiel trotz der auf den ersten Blick anständig scheinenden Statistiken des Teams (29 Assists, 56 % FGs, 12 Steals…) so furchtbar angefühlt hat.

Das Spiel in einem Video

https://www.youtube.com/watch?v=1fuHwZKXPFY
Dieses Video drückt recht akkurat meine Erwartung eines entspannten Abend mit einem Tigers-Heimsieg und die darauf folgende Erfahrung beim Schauen des Spiels aus.

Sadist des Tages

Franklyn Aunitz. Auch wenn sich seine Statistiken zwar solide, aber nicht überragend lesen (bis auf die drei Steals, das ist ein absoluter Top-Wert), hat Franklyn Aunitz mit seiner galligen Ganzfeldverteidigung mir am meisten Schmerzen beim Zuschauen bereitet. Selten habe ich gesehen, dass Profis sich derart oft von einer simplen Mann-Mann-Presse zu haarsträubenden Ballverlusten haben zwingen lassen, wie die Tigers-Guards vom 20-jährigen Kettenhund der Ehinger, weswegen er sich zurecht als Basketball-Masochisten.de Sadist das Spieltags bezeichnen darf. (Dieses Segment kann als Sponsor:in übrigens erworben werden, ich würde mich sehr freuen, den Sadisten der nächsten Spieltag zum Beispiel ein gebrandetes Nudelpaket o.ä. zukommen zu lassen. Sponsoring-Anfragen an kontakt (a t) basketball-masochisten.de!)

Statistik des Tages

Wie bereits gesagt, ist der Blick auf die Statistik bei diesem Spiel ein bizarrer, denn eigentlich sehen die Tigers in den meisten Kategorien gar nicht so katastrophal aus, wie der Spielverlauf vermuten ließe – vor allem offensiv. Bei genauerer Betrachtung aber ist der Sieg des Teams Ehingen Urspring angesichts der Zahl der Abschlüsse, die sich beide Mannschaften erarbeiten konnten, nicht sonderlich überraschend. So kamen die Gäste auf ganze 75 Wurfversuche aus dem Feld, während die Janssons nur 66 mal auf den Korb werfen konnten (Freiwurfversuche lasse ich hierbei außen vor, zumal Ehingen hier mit 23 zu 22 keinen signifikanten Vorsprung hat). Zu erklären ist dieser Unterschied in den Abschlüssen durch die Unterlegenheit der Tigers beim Rebound (EHI 37, TIG 26) und die Turnover-Differenz (EHI 15, TIG 20). Um bei derart weniger Abschlüssen das Spiel noch gewinnen zu können, haben die Tigers heute deutlich zu schlecht getroffen, so dass hier eine mögliche Statistik-basierte Erklärung für das Debakel zu finden ist.

Lichtblick des Tages

Den direkten Vergleich gegen Ehingen haben die Tigers weiterhin sicher.

Schmankerl des Tages

In einer Partie, die oft eher zum Augenausreißen als zum verzückten Innehalten motivierte, sind logischerweise nur wenige wahre Schmankerl zu verzeichnen. Das einzige echte Highlight, das ich loben möchte, ist der Reverse-Dunk von Daniel Keppeler bei 3:27 zu spielen im ersten Viertel, der sehr ansehnlich war.
Ansonsten habe ich noch zwei Shaqtin‘ a Fool-Bewerbungen beider Teams anzubieten (drittes Viertel ab ca. 6:20 auf der Uhr und drittes Viertel bei ca. 3:00 auf der Uhr), die zwar einen gewissen Entertainment-Wert besitzen, aber auch nicht unbedingt noch einmal angeschaut werden müssen.

Streambewertung

5,5/10. An sich ist meine Meinung zum Tigers-Stream klar und kann in größerer Ausführlichkeit im Bericht zum Bremerhaven-Spiel nachgelesen werden. Deshalb hier nur zu den Veränderungen im Vergleich zum letzten Stream: Leider war die beim letzten Heimspiel gegen Bremerhaven angekündigte Möglichkeit zur Wiederholung gegen Ehingen leider nicht nicht gegeben, was ich sehr schade finde; außerdem muss ich sagen, dass mir bei der letzten Heimspielübertragung das energetische Duo Pasios/Schüler im Kommentar etwas besser gefallen hat. Positiv zu nennen ist hingegen, dass mir zum ersten Mal der Gebrauch verschiedener Kameraeinstellungen aufgefallen ist, bitte weiter so!

Jugendspieler-Watch

Ohne Elias Valtonen und dadurch, dass Timo Fischer und Mirjan Broening das ganze Spiel auf der Bank ausharren mussten, haben nur Timo Lanmüller und Jekabs Beck Nachwuchsminuten gegen Ehingen gesammelt. Insgesamt standen die beiden Youngster zusammen 31:30 Minuten auf dem Feld, was in einem Spielzeitanteil von 15,75 % für Nachwuchsspieler resultiert. Für ein Programm, das sich Jugendförderung auf die Fahnen geschrieben hat, ist das heute ein eher dürftiges Ergebnis.

Links

Wie immer hier noch die Links zu den offiziellen Spielberichten der Teams:
https://tigers-tuebingen.de/ein-tag-zum-vergessen-tigers-verlieren-103113-gegen-ehingen/
(Auf der Ehinger Seite war zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Posts noch kein Artikel online, eventuell werde ich diesen noch nachtliefern)

und den Statistiken:
https://live.2basketballbundesliga.de/g/107058

Wie immer freue ich mich über Rückmeldung per Mail an kontakt (a t) basketball-masochisten.de, oder über instagram auf @basketball_masochisten.de!

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Spielberichte

Tigers – Paderborn

Zusammenfassung

  1. Viertel: Hier gibt es nicht viel zu sagen, die Tigers starten offensiv unglaublich unkonzentriert und schlampig in die Partie. Defensiv geht auch nicht viel und es ist der mangelnden Konsequenz der Uni Baskets Paderborn geschuldet, dass die Tigers nach 10 Minuten nur mit 22:12 im Rückstand sind.
  2. Viertel: Trotz des weiterhin sehr niedrigen Spielniveaus können die Tigers dieses Viertel für sich entscheiden, auch dank Isaiah Crawley, der bereits nach 14 Minuten zweistellig gepunktet hat. Die Tigers sind inzwischen defensiv aggressiver, aber kommen in der Offensive nur zu wenigen guten Abschlüssen. Da Paderborn aber weiterhin ähnlich schwach performt, liegen die Tigers zur Halbzeit nur mit 40:31 hinten.
  3. Viertel: Nach der Halbzeit sehen die Tigers auf einmal besser aus, Isaiah Crawley und Josh Sharkey stellen Paderborn immer wieder vor Probleme und auch defensiv wirken die Tübinger immer energetischer. Zwar können die Uni Baskets ihre Führung durch zum Teil schwierige Dreier halten, aber trotz des Zwischenstands von 63:52 gibt es für Tigers-Fans Anlass zu vorsichtigem Optimismus.
  4. Viertel: Die Janssons (Was haltet Ihr als Leserschaft von dieser Bezeichnung für die Tigers?) kommen zunächst schwach aus der Viertelpause, als dann auch noch Crawley das Spiel zunächste verletzt verlassen muss, scheint alle Hoffnung verloren. Doch vor allem dank Timo Lanmüller, der im Schlussabschnitt als Scorer in Erscheinung tritt, legen die Tigers einen starken Run hin und führen vier Minuten vor Spielende auf einmal mit 70:73, auch weil jetzt endlich mal die Dreier fallen. In der Schlussphase schaffen es die Tübinger dann allerdings wieder einmal, offensiv die falschen Entscheidungen zu treffen und bekommen Paderborn defensiv nicht gestoppt, so dass am Ende eine 87:81-Niederlage zu Buche steht.

Viewers‘ Guide für den Relive-Genuss

  1. Viertel: Masochismus-Rating 8/10. Nicht anschauen! Tigers mit 6 Ballverlusten und einer Feldwurfquote von 38%. Ein Viertel zum Abgewöhnen.
  2. Viertel: Masochismus-Rating 8/10. Die Bezeichnung des Spiels als „Fehlerfestival“ in der 13 Spielminute ist bis zu diesem Zeitpunkt die wohl zutreffendste Analyse im Paderborner Live-Kommentar. Beide Teams übertreffen sich mit unnötigen Fehlern und haben zur Halbzeit gemeinsam bereits 23 Turnover gesammelt und nur 11/19 Freiwürfen getroffen.
  3. Viertel: Masochismus-Rating 5/10. Das Spielniveau steigt insgesamt leicht an, die Tigers zeigen mehr Energie und vor allem Josh Sharkey mit seinen Splits aus dem Pick and Roll sorgt immer wieder für sehenswerte Aktionen. Wirklich schön ist die Partie trotzdem nicht.
  4. Viertel: Masochismus-Rating 7/10. Der Schlussabschnitt ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist hier die mit Abstand beste Leistung der Raubkatzen in einer spannenden Schlussphase zu sehen. Andererseits dürfte sich bei Tigers-Fans aber ein beklemmendes Déjà-vu-Erlebnis einstellen: zu oft mussten wir diese Saison sehen, wie unsere Lieblings-Crunchtime-Performer in den letzten Minuten ein gewinnbares Spiel hergeschenkt haben. Wer dafür inzwischen keine Kraft mehr hat, sollte nach Enosch Wolfs Dreier in der 36 Minute einfach abschalten.

Woran hat es gelegen?

Dass ein dritter zuverlässiger Scorer gefehlt hat.
Isaiah Crawley und Josh Sharkey haben zusammen 39 der 81 Tigers-Punkte erzielt. Gemeinsam hatten die beiden US-amerikansichen Leistungsträger eine Feldwurfquote von 64 Prozent, dem gegenüber steht eine Feldwurfquote von 37 Prozent durch den Rest des Teams. Das Duo Sharkey-Crawley war insgesamt 14 mal aus dem Feld erfolgreich, das gesamte restliche Team nur 13 mal.
Auch wenn das Spiel noch einmal knapp wurde und Timo Lanmüller im letzten Spielabschnitt einen großen Beitrag dazu leistete, wurde heute offensichtlich, dass nur zwei konstant liefernde Offensivspieler nicht ausreichen um eine Partie zu gewinnen. So bleibt für die nächsten Spiele zu hoffen, dass Elias Valtonen bald wieder fit ist und an seine überragenden Leistungen anknüpfen kann, oder aber dass Troy Simons und Timo Lanmüller sich als noch zuverlässigere Scoring-Optionen aus der Distanz erweisen.

Das Spiel in einem Video

Für alle, die sich die ersten beiden Viertel nicht anschauen wollen, hier die Kurzfassung (wenn auch in etwas prominenterer Besetzung):

https://www.youtube.com/watch?v=tr6ZuQiWeeQ

Sadist des Tages

Ivan Buntic, Center der Uni Baskets Paderborn hat sich diesen Titel redlich verdient. Mal um mal zeigte der Big Man peinliche Lücken in der Verteidigung der Tigers auf und erzielte am Ende 21 Punkte bei einer Feldwurfquote von 90%. Dabei sah beinahe jeder seiner Treffer aufreizend schlecht verteidigt aus und sprach Bände über mangelnde Tübinger Inside-Defense. Nicht ein einzige Möglichkeit nutzte der erbarmungslose Hühne für den einfachen Dunking, sondern wie um hilflose Tigers-Fans zu verspotten, waren es eiskalter Korbleger, die Buntic Mal um Mal freudlos einnetzte.

Statistik des Tages

52 Prozent ihrer Distanzwürfe konnten die Uni Baskets Paderborn einnetzen, die Tigers Tübingen hingegen nur 33 Prozent. In einer Partie, die von Fehlern auf beiden Seiten geprägt war, waren es am Ende die Paderborner Distanzschützen, die den Raubkatzen das Genick brachen.

Lichtblick des Tages

Wieder einmal Timo Lanmüller. Wenn es auf den jüngsten eingesetzten Spieler ankommt, im letzten Viertel einen potentiell spielentscheidenden Run zu starten, sagt das entweder viel über die Veteranen im Team, oder über besagten Jugendspieler aus. In diesem Fall möchte ich mich für die optimistische Deutungsweise entscheiden und Lanmüllers Performance im vierten Viertel loben, wo er mit neun Punkten innerhalb von drei Minuten den Impuls brachte, der seiner Mannschaft die unerwartete Chance auf den Sieg gab.

Schmankerl des Tages

Auf Platz eins des Rankings findet sich – überraschenderweise – ein Dunk von Isaiah Crawley, genauer den Alley-Oop nach Assist von Josh Sharkey bei 8:44 im 2. Viertel.

Auf Platz zwei findet sich ein optischer Leckerbissen, der so wohl in höheren Ligen undenkbar wäre. Über weite Teile des Spiels wurden die Power Forwards der Tigers Keppeler und Crawley durch den Paderborner Aufbauspieler Demetrius Ward verteidigt und mussten diesen im Gegenzug selbst bewachen. Der maximale Größenunterschied lag dabei bei ganzen 17 cm (zwischen Keppelers 2,05 m und Wards 1,88 m). Diese Diskrepanz konnte der Paderborner Guard allerdings durch seinen annähernd quadratischen Körperbau und 100 kg klug eingesetztes Kampfgewicht kompensieren, so dass er insgesamt gegen Isaiah Crawley nicht viel schlechter aussah, als der durchschnittliche ProA-Powerforward (also immer noch schwach, aber nicht komplett desaströs). Spannend anzusehen waren dafür Crawleys Bemühungen, in den letzten Minuten im Spielaufbau Druck auf Ward auszuüben, bei denen man ihm trotz allen Engagements ansah, dass er sich im Matchup gegen den Ailton der ProA eher unwohl gefühlt hat.

Platz drei geht an Enosch Wolfs Dreier zur zwischenzeitigen Führung (70:73) bei 4:48 auf der Uhr im vierten Viertel. Hier können wir nicht nur den Moment bewundern, an dem die Hoffnungskurve für Tigersfans wohl ihr globales Maximum erreicht hat, sondern uns auch an Wolfs wunderbar selbstbewusstem (wenn nicht arrogantem) Follow-Through ergötzen, der zwar ein tolles Zeichen von Selbstbewusstsein ist, dem allgemeinen Spielverlauf nach aber wohl eher unangemessen war.

Streambewertung

5,5/10. Nachdem die letzten beiden Auswärtsgegner der Tiger hier beinahe auf voller Linie überzeugen konnten, bin ich erfreut zu sehen, dass es auch andere Teams gibt, die sich eher auf Tigers-Niveau befinden.
Der Kommentar an sich war angenehm, wenn auch unaufdringlich, aber fachkundig und an entscheidenden Stellen auch nicht zögerlich, das Spiel als so unansehnlich zu bezeichnen, wie es tatsächlich war. Außerdem hat es mich sehr gefreut, endlich einmal eine weibliche Stimme zu hören, die im doch sehr engen Männer-Kosmos des zweitklassigen Profibasketballs in Deutschland eine erfrischende Abwechslung war.
Ebenfalls positiv zu erwähnen sind die verschiedenen Kameraperspektiven und die Möglichkeit, Wiederholungen zu schalten. Allerdings wurden für meinen Geschmack die Wiederholungen aus Ringperspektive maßlos übertrieben. Vor allem bei Freiwürfen muss nicht jedesmal eine Wiederholung geschaltet werden, nur weil es technisch möglich ist. So gerne ich auch die unzähligen Fehlwürfe von Barret Benson gesehen habe und so attraktiv Enosch Wolfs Handgelenk-Routine nach jedem Wurf ist – ich will lieber das laufende Basketballspiel verfolgen, anstatt mit Wiederholungen bombardiert zu werden. Zumindest ein absolutes Highlight mit Drew Cushingberrys Dunking ist durch das übermotivierte Wiederholen dem Schnitt zum Opfer gefallen. Falls die Stream-Verantwortlichen das hier durch Zufall lesen sollten: Das muss nicht sein!!
Was die restliche Produktionsqualität betrifft, sind die Uni Baskets auch eher auf Tigers-Niveau anzusiedeln und lassen Einspieler (z.B. Interviews, Social Media-Segmente…) in den Viertelpausen und der Halbzeit vermissen.

Jugendspieler-Watch

Ohne Elias Valtonen und Mirjan Broening waren die beiden einzigen eingesetzten Nachwuchsspieler Jekabs Beck, der in knapp fünf Minuten einen soliden Job machte und der bereits ausführlich besprochene Timo Lanmüller, der satte 27 Minuten auf dem Feld stehen durfte. Insgesamt ergibt sich daraus die bisher niedrigste Jugendspieler-Quote von nur knapp 16 Prozent der gesamten Einsatzzeit.

Links

Hier wie gewohnt die (teils doch sehr knappen…) Spielberichte der teilnehmenden Teams:
https://tigers-tuebingen.de/zu-viele-fehler-gemacht-8187-niederlag-in-paderborn/
https://paderborn-baskets.de/saison2021-st18/
und die offiziellen Statistiken:
https://live.2basketballbundesliga.de/g/107056

Über Rückmeldung per Email (kontakt (a t ) basketball-masochisten.de), instagramm (@basketball_masochisten.de) oder inzwischen auch per Post (Postfach 11 10, 69169 Leimen) freue ich mich weiterhin sehr.

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Spielberichte

Tigers – Bremerhaven

Zusammenfassung

  1. Viertel: Die Tigers starten hellwach und Bremerhaven ohne jegliche Transition-Defense, was in einem 8:2-Run und schmackhaften Highlights resultiert. Bremerhaven findet im Viertelverlauf auch dank des Top-Neuzugangs Armani Moore besser ins Spiel und führt zum Viertelende mit 25:28.
  2. Viertel: Im zweiten Viertel schenken sich die beiden offensivstarken Mannschaften wenig und das Spiel bleibt eng. Grund dafür ist auch der weiterhin überzeugende Elias Valtonen, der die Nachteile ausgleicht, die sich durch das schwache Defensiv-Rebounding ergeben. Weiterhin knapp geht das Spiel mit 50:47 aus Tübinger Sicht in die Halbzeitpause.
  3. Viertel: Weder Tiger noch Eisbären schaffen es, im dritten Spielabschnitt einen Lauf zu starten, geschweige denn, sich von der anderen Mannschaft abzusetzen. Wenn die Tigers Zugriff auf die Defensivrebounds haben, zeigen sie, dass sie ansonsten heute die stärkere Mannschaft sein können. Vor dem letzten Viertel führt Bremerhaven mit 74:75 und alles ist noch offen.
  4. Viertel: Die Tübinger erwischen den besseren Start, spielen besser als Team zusammen, verteidigen bissig (Sonderlob an Mirjan Broening!) und gehen mit einem leichten Vorsprung in die Schlussphase. Hier bleiben die Gastgeber trotz einiger Wackler souveräner, können das Spiel mit 101:93 für sich entscheiden und so die neue Rottenburger Heimspielstätte mit einem Sieg einweihen.

Woran hat es gelegen?

Dass monokausale Erklärungen immer eine heikele Angelegenheit sind, weiß nicht nur Thorsten Knippertz (https://www.youtube.com/watch?v=ElWOGVqNGTQ), sondern wurde mir auch im Zuge meines Geschichtsstudiums mehrfach eingebläut. Wider besseren Wissens wage ich hier trotzdem den Versuch, den Erfolg der Tigers auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen. Im heutigen Spiel ist dieser Faktor Elias Valtonen, der frisch nach der Auszeichnung zum ProA-Youngster des Monats Dezember seine wohl beste Saisonleistung ablieferte und mit 30 Punkten bei astronomisch hohen 80% aus dem Feld eine unfassbar effiziente Offensivleistung erbrachte. Dabei brachte er nicht nur Punkte auf das Scoreboard sondern lieferte auch immer wieder emotionale Boosts für sein Team und agierte trotz seiner 21 Jahre als absoluter Führungsspieler. So ist es keine große Überraschung, dass Valtonen sich die heißbegehrte Man of the Match-Nudeltasche sichern konnte (zur überzeugenden Pose mit diesem Schatz geht es hier entlang: https://tigers-tuebingen.de/elias-valtonen-ist-der-tress-man-of-the-match-30-punkte-gegen-bremerhaven/).

Das Spiel in einem Video

Für alle, die gegen Bremerhaven noch nicht genug Elias Valtonen-Highlights hatten, hier ein paar Leckerbissen aus seiner prä-Dunking-Ära, unterlegt mit kitschigem EDM:
https://www.youtube.com/watch?v=FAG5ucGyL98
„Elias Valtonen is a 6-6 Scoring Guard/Forward who currently plays for HBA-Märsky in Finland. Valtonen is an excellent scorer equipped with a smooth shooting stroke. He can drive to the basket, create his own shot or pass the ball. Valtonen is showing strong interest in playing college ball, he should be a major prospect to keep an eye on.“

Viewers‘ Guide für den Relive-Genuss

Die ersten Minuten des Spiels sind absolutes Must-Watch-Material und beinhalten mehr (und sehenswertere) Dunks als die aktuelle Top 10 der Barmer Pro A. Hier zum Vergleich:
https://sportdeutschland.tv/basketball/proa-grandiose-breaks-dunks-lay-ups-highlights-16-spieltags Zu diesem Anlass drängt sich außerdem die Frage auf, was es über eine Liga aussagt, wenn Layups in der Videobeschreibung der Top 10 beworben werden…
Zurück aber zum Spiel der Tigers: hier lässt die Frequenz der absoluten Highlight-Plays nach den ersten Minuten nach, trotzdem bleibt das erste Viertel durchaus sehenswert und insgesamt offensivlastig.
Im nächsten Spielabschnitt fallen zwar weiterhin viele Punkte, insgesamt wird das Spiel aber etwas zerfahrener und weniger flüssig. Trotzdem bleibt das Match bis zur Halbzeitpause- vor allem für Tigersverhältnisse – überwiegend sehenswert.
Nach der Pause ändert sich der Spielverlauf nicht drastisch, die Tigers bleiben weiter konzentriert und bieten ihren Zuschauer:innen engagierte Defense, gelegentlich schöne Fastbreaks und heute auch einmal immer wieder ansehnliche Set-Plays. Im Gegensatz zu anderen Spielen dieser Saison gibt es keinen deutlichen Leistungsabfall der Tigers, so dass das Spiel bis zur Schlussphase durchweg attraktiv bleibt.
In der Crunchtime steigert sich die Ansehnlichkeit der Partie dann noch einmal (zumindest für Tigers-Fans). Zum einen hat die Spannung, die nun aufkommt, hieran einen großen Anteil, andererseits ist es aber auch eine helle Freude, den Tigers dabei zuzusehen, wie sie ausnahmsweise in den letzten Minuten vorwiegend richtige Entscheidungen treffen. Sonderlob an Daniel Keppeler, der in den letzten Minuten mit zwei Dunks nicht nur sichere Punkte lieferte, sondern auch an der Highlight-Front aktiv war.

Statistik des Tages

Nicht nur dem ersten Eindruck nach überzeugten die Tigers mit ihrem offensiven Zusammenspiel, auch die Statistiken bestätigen diesen Befund: 29 Assists bei nur 8 Turnovern verteilten die Tigers gegen die Bremerhavener Eisbären. Bei 40 erfolgreichen Feldwürfen der Tigers bedeutet das, dass 72,5 Prozent der erfolgreichen Abschlüsse ein direkter Assist vorherging, was genau wie das Verhältnis Assist/Turnover ein absoluter Top-Wert ist.

Lichtblick des Tages

Nach ihrem ersten Saisonerfolg gegen Paderborn können die Tigers endlich wieder einmal ein knappes Spiel für sich entscheiden! Nach zahlreichen tragischen bis schon fast tragikomischen Spielenden, die dafür sorgten, dass die Tigers trotz soliden Leistungen unter anderem in Rostock und Leverkusen jeweils doch noch das Spiel abschenkten, waren sie heute endlich einmal die smartere Mannschaft. Zwar ließen die Raubkatzen es sich nicht ganz nehmen, noch einmal kurz für Schnappatmung bei ihren Fans zu sorgen, haben es aber trotzdem gegen ein Top-Team der Liga geschafft, ein Spiel in der Crunchtime zu gewinnen. Bitte mehr davon!

Schmankerl des Tages

Auf Platz eins des heutigen Schmankerl-Ratings steht unangefochten der Windmill-Dunk von Isaiah Crawley bei 8:58 auf der Uhr im ersten Viertel, der auch in der Liga-Top 10 eine hohe Platzierung sicher haben sollte.

Platz zwei geht ebenso an Highlight-Fabrikant Crawley, der im zweiten Viertel bei 7:55 zu spielen aus dem gleichen Freiwurfplay heraus, das ihm gegen Leverkusen den bisherigen Dunk der Saison bescherte, nach feinem Lobpass von Sharkey mit massig Hangtime und Fingerspitzengefühl per Alley-Oop vollendete.

Auf Platz drei hätten sehr gut Elias Valtonen und Daniel Keppeler mit ihren Dunking-Serien im ersten, respektive vierten Viertel landen können. Allerdings gewinnt hier meine Schadenfreude und ich möchte stattdessen auf zwei äußerst unterhaltsame Fehrltritte hinweisen, die sich die Eisbären erlaubten. Genauer handelt es sich dabei um Moses Pölkings Korbleger, den er bei 9:21 im vierten Viertel ohne größeren Druck airballte und John Bohannons Rückpass ins Aus bei 9:45 im dritten Viertel. Zu diesem anlass möchte ich ein großes Lob an die Tigers aussprechen, die sich dieses Spiel mit peinlichen Fehltritten ausnahmesweise zurückhielten.

Streambewertung

6,5/10 insgesamt. Nachdem ich mich letzte Woche doch sehr negativ über den Heimspiel-Stream geäußert habe, der von den Tigers auf die Beine gestellt wird, muss ich hier etwas Abbitte leisten. Offensichtlich wurde die Heimspielpause von den Verantwortlichen genutzt um einiges zu verbessern. Zu allererst ist die Belichtung zu loben. Zwar war das Bild etwas dunkel, trotzdem eine meilenweite Verbesserung gegenüber der kompletten Überbelichtung in der Paul Horn-Arena.
Vom Kommentatoren-Duo Niklas Schüler und Manuel Pasios bin ich auch recht angetan. Zwar mag es professionellere (und auch weniger parteiische) Kommentatoren-Duos in der ProA geben, doch durch ihre gute Chemie, munteres Geplänkel, Einblicke in die Tigers-Organisation und vor allem das wiederholte Namedropping mehr oder weniger bekannter Basketballer (Shoutout Claus Sieghörtner!) wurde zumindest ich überzeugt und bestens unterhalten. Lobend ist außerdem hervorzuheben, dass inzwischen mehrere Kameraeinstellungen verfügbar sind und wie bei anderen ProA-Übertragungen auf Twitter-Kommentare der Fans eingegangen wird.
Zusätzlich wird scheinbar erkannt, dass weiteres Entwicklungspotential vorhanden ist und für nächste Woche wurde bereits ein neues Feature, die Zeitlupe-Wiederholung angekündigt, worauf ich sehr gespannt bin. Verbesserungspotential gibt es allerdings weiterhin massig, vor allem während der Spielunterbrechungen könnten sich die Tigers gerne eine Schiebe von den Interviews und Einspielern abschneiden, die zu Beispiel Rostock und Trier anbieten.

Jugendspieler-Watch

Vier U22-Spieler wurden von Danny Jansson gegen die Eisbären Bremerhaven eingesetzt: Timo Lanmüller, Jekabs Beck, Mirjan Broening und Elias Valtonen. Insgesamt kamen diese Spieler auf 60:15 Minuten und damit 30,1 % der verfügbaren Netto-Spielzeit. Besonders positiv ist anzumerken, dass auch in der Schlussphase mit Lanmüller und Valtonen zwei von der ProA als Nachwuchskräfte gewertete Spieler auf dem Feld standen und Veratnwortung übernehmen konnten.

Links

Hier noch zum Vergleich und der Unterstützung eines multiperspektivischen Ansatzes die Spielberichte der
Teams:
https://dieeisbaeren.de/medien/news/artikel?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=198&cHash=07a0dfc1e2223bd4aef46c692e612588

https://tigers-tuebingen.de/valtonen-erlegt-die-eisbaeren-30-punkte-vom-youngster-des-monats/
hier noch zu den offiziellen Stats auf der Seite der ProA:
https://live.2basketballbundesliga.de/g/107041?s=boxscore

Wie immer freue ich mich über Feedback, inzwischen gerne auch auf instagram (@basketball_masochisten.de) und gelobe Besserung, was den optischen Aspekt sowohl der Website, als auch des Instagram-Auftritts betrifft. Zumindest ein Logo sollte bald in Arbeit sein (auch hier freue ich mich über umsetzbare Ideen).

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Spielberichte

Tigers – Rostock

Zusammenfassung

  1. Viertel: Beide Teams beginnen fahrig und unkonzentriert, die Tigers erzielen 7 ihrer 13 Punkte von der Freiwurflinie und werden vom motivierten Isaiah Crawley im Spiel gehalten. Am Ende des Viertels steht es 13 zu 13, worüber sich wohl niemand so wirklich freut.
  2. Viertel: Lange geht bei den Tigers wirklich wenig, bis dann Timo Lanmüller ab der vierten Minute des Viertels aufdreht und bis zur Halbzeit 11 Punkte erzielt. Defensiv sehen die Tübinger unter dem Korb recht schwach, ansonsten engagiert aus und gehen mit einem Rückstand von 41:35 in die Halbzeitpause
  3. Viertel: Nachdem die Tigers zu Beginn noch sehr unglücklich in der Offensive agieren, drehen sie im Viertelverlauf immer weiter auf, kämpfen sich durch ihre engagierte Verteidigung ins Spiel und finden auch offensiv hin und wieder so etwas wie einen Rhythmus. Verdient liegen die Tübinger mit 50:54 zur Viertelpause vor den favorisierten Gastgebern.
  4. Viertel: Zunächst schaffen es die Jansson-Jungs, ihren Vorsprung zu verteidigen und Rostock immer wieder zu Ballverlusten zu zwingen. Zum Viertelende hin können die Seawolves dann vor allem aus ihrer Überlegenheit unter dem Korb und den daraus resultierenden Offensivrebounds Profit schlagen. In einer komplett offenen Schlussphase sind die Tigers dann zu schludrig und verpassen den durchaus möglichen Sieg gegen die cooleren Hausherren.

Woran hat es gelegen?

https://www.youtube.com/watch?v=ElWOGVqNGTQ
An den Kleinigkeiten. Um den Ausgang des Spiels übermäßig vereinfacht zu erklären, könnte man die Reboundunterlegenheit der Tigers, die trotz prominenter Ausfälle immer noch hohe personelle Qualität der Seawolves, oder die weitestgehende Unfähigkeit der Gäste, den Rostocker Big Man Keith Wright im Zaum zu halten, heranzeihen. Trotzdem hatten die sympathischen Raubkatzen alle Möglichkeiten, das Spiel doch noch für sich zu entscheiden, so dass es Details wie der tragisch verlegte Korbleger von Elias Valtonen 23 Sekunden vor Schluss oder die magere Ausbeute von 2/4 Freiwürfen in der letzten Minute waren, die für die Niederlage verantwortlich zu machen sind. Dass Isaiah Crawleys Fade-Away zum Ausgleich kurz vor Schluss nur knapp aus dem Korb rollt, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen, ist aber die bittere Krönung einer ganz unglücklichen Crunchtime.

Das Spiel in einem Video
https://www.youtube.com/watch?v=q9m1I9BKgOo

Da wäre mehr drin gewesen.

Viewers‘ Guide für den Relive-Genuss

Das erste Viertel ist außer für Freund:innen von Freiwürfen und verkrampften Offensivaktionen nicht zu empfehlen. Einzig der Exkurs der Rostocker Kommentatoren zu Finnland und Wikipedia (ab ca. der 2. Minute des Viertels) ist für diesen Spielabschnitt noch lobend zu erwähnen.
Im zweiten Viertel fallen zwar endlich mehr Körbe, doch einen wirklichen Leckerbissen bekommt man als Streamzuschauer:in bisher nicht präsentiert. Trotzdem sehenswert: Timo Lanmüller, der ab der vierten Minute des Viertels aufdreht und die Tigers mit 11 Punkten in der Partie hält.
Auch wenn das Spiel nie wirklich ein Attraktives wird und jederzeit mit überraschenden Airballs und mehr oder weniger haarsträubenden Fehlern zu rechnen ist, würde ich ab der fünften Minute des dritten Viertels bis zum Spielende eine durchgehende Schau-Empfehlung aussprechen, zumindest für abgehärtete Tigers-Fans. Ab ungefähr diesen Zeitpunkt gehen die Tübinger sehr motiviert zu Werke und das Spiel ist durchgehend knapp und intensiv. In der Viertelpause zum vierten Viertel gilt es für Gossip-Begeisterte nicht abzuschalten, da hier überraschende Details über die Karriereplanung von Seawolves-Kante Keith Wright bekanntgegeben werden.
Zwar fallen im letzten Spielabschnitt die mit Abstand meisten Punkte, als Offensiv-Feuerwerk könnte man ihn aber guten Gewissens wohl nur im Vergleich zum Trier-Spiel der letzten Woche bezeichnen. Vor dem dramatischen und wieder einmal frustrierenden Finale erwarten die Zuschauer:innen hier noch teils gallige Tigers-Defense, eine Menge Rostocker Offensiv-Rebounds und die übliche emotionale Achterbahnfahrt eines Tigers-Schlussviertels.

Statistik des Tages

35% ihrer Würfe aus dem Feld trafen die Tigers gegen die Rostock Seawolves. Umso beeindruckender, dass die Tübinger das ganze Spiel über nicht den Anschluss an die Seawolves verloren und dank ihres starken Einsatzes und 25 getroffenen Freiwürfen noch reelle Chancen auf den Sieg hatten.

Lichtblick des Tages

Timo Lanmüller. Von den Rostocker Kommentatoren liebevoll Tino Lanmeyer getauft, brachte der 19-Jährige alles aufs Parkett, was man sich von einem derart jungen Spieler wünschen kann: Unbekümmertheit, Kaltschnäuzigkeit im Abschluss, besonders von der Dreierlinie, und kein unnötiger Respekt vor den Rostocker Veteranen. Vor allem wie Lanmüller sich mit Rain Veideman beharkte und vor keiner Konfrontation zurückscheute, war Balsam für die Seelen aller Basketball-Jugendspieler, die sich mit ähnlichen stämmigen, kahlgeschorenen, griesgrämigen Veteranen herumschlagen mussten, die dazu niegen, mit großem Genuss jedes ihrer Körperteile zu nutzen um sich einen Vorteil zu verschaffen.
Anders gesagt: wenn Lanmüller es weiter schafft, derart mutig und selbstbewusst aufzutreten, ist das einer der Gründe, dem Rest der Saison mit etwas Optimismus entgegenzusehen.

Schmankerl des Tages

In einer vom Kampf geprägten Partie, in der auch Danny Janssons Hemdenwahl (dieses Mal schlicht weiß) nicht für die gewohnten optischen Highlights sorgen konnte, ist wohl der von Josh Sharkey und Isaiah Crawley gelaufene Fastbreak (3. Viertel, ~3:38 zu spielen) die für Tigersfans sehenswerteste Aktion und damit Schmankerl des Spiels. Auf Platz zwei des Schmankerl-Rankings: der artistische Überschlag von Isaiah Crawley über die Werbebande (2. Viertel, ~ 2:36 auf der Uhr). Der dritte Platz geht an die Geburtstagsgrüße, die im zweiten Viertel während der Auszeit in der 20. Minute eingeblendet wurden. Auch von dieser Stelle aus herzliche Glückwünsche an Yvonne und Pauli.

Streambewertung

9/10. Welten vor den Liveübertragungen der Tigers (welcher Stream ist das nicht?), aber auch im gesamten Ligavergleich vorne mit dabei. Sehr hochwertige Produktion mit ausführlichen und unterhaltsamen Pregame- und Halbzeit-Interviews, in den Auszeiten eingeblendeten Videos der Rostocker Cheerleaderinnen und gelungene Interaktion mit Streamzuschauer:innen. Einzig den Live-Kommentar hätte ich mir (auch von der Tonqualität her) vielleicht etwas professioneller gewünscht – auf diesem Gebiet wird aber in dieser Saison wohl eh niemand mehr an Trier vorbeikommen. Positiv sind aber Luxus-Features wie mehrere Kameraeinstellungen, Wiederholungen nach Highlights und die brillante Werbung für die Swing-Connection Rostock nach dem ersten Viertel zu erwähnen.

Jugendspieler-Watch

Nachdem die Tigers vor der diesjährigen Saison die Devise ausgegeben haben, stärker auf Jugendspieler zu setzen und mit Danny Jansson einen Coach verpflichtet haben, der für dieses Konzept einsteht, muss sich das Tübinger Profiteam dieses Jahr auch daran messen lessen, inwiefern dieser Vorsatz umgesetzt wird.
Im Spiel gegen die Rostock Seawolves absolvierten vier U22-Spieler (Fischer, Beck, Lanmüller und Valtonen) insgesamt 59 Minuten und 27 Sekunden, was ziemlich genau 30% der verfügbaren Einsatzzeit von 200 Minuten ausmacht – ein durchaus ordentlicher Wert. Man darf in den nöchsten Wochen auf dieser Website gespannt verfolgen, wie sich diese Zahlen im Laufe der Saison (v.a. mit der Rückkehr von Besnik Bekteshi) entwickeln.

Links

Da dieser Spielbericht offensichtlich tendenziös ist und eventuell andere Schwerpunkte setzt, als die Leserschaft für gewöhnlich gewohnt ist, hier die (professionelleren) Spielberichte der beiden Vereine, sowie die offiziellen Spielstatistiken:
https://tigers-tuebingen.de/einfach-nicht-clever-genug-7983-niederlage-in-rostock/
https://seawolves.de/2021/01/seawolves-krallen-sich-zittersieg-gegen-tuebingen/
https://live.2basketballbundesliga.de/g/107035?s=boxscore

Feedback oder Beschwerden sehr gerne per Mail an: kontakt (a t) basketball-masochisten.de, in Bälde gerne auch postalisch an das noch einzurichtende Postfach. Besonders dankbar bin ich für Synonyme, die ich anstelle von „Tigers“ im Text verwenden kann und die nicht „Neckarstädter,“ „Schwaben“ oder „Raubkatzen“ sind.